Tired
Meine Geschichte

Alles fing damit an, das ich mit fünf Jahren das erste mal versucht habe mich umzubringen. Meine Mutter sagte damals zu mir, das sie so ein ungezogenes Kind wie mich nicht haben will und ich wollte ihr nicht noch mehr Sorgen machen, also lief ich in mein Zimmer, und versuchte mich unter der Bettdecke zu ersticken. Ich weiß nicht ob es funktioniert hätte, wenn ich mir noch länge die Decke ins Gesicht gedrückt hätte. Jedenfalls von da an wurde ich immer sensibler, was Streit und Konflickte an ging. Wenn ich heute auf meine Kindheit zurück schaue, dann fällt mir auf, das ziemlich viel falsch ging. Mit sechs Jahren kam dann meine kleine Schwester auf die Welt und ich war fürs erste abgeschrieben. Meine Eltern kümmerten sich fast ausschließlich um sie und um meinen älteren Bruder. Ich war immer das pflegeleichte Kind von uns. Nie hab ich ihnen Sorgen gemacht oder Aufmerksamkeit verlangt.

Die nächsten Jahre waren "ziemlich" ereignislos. Ich stand immer hinten an und hielt mich zurück. In dieser Zeit stritten sich meine Eltern oft und auch heftig, manchmal zogen sie mich auch mithinein und ich musst zwischen ihnen vermitteln. Tja und mit zwölf fing dann alles an... Nach einem weiteren Krach meiner Eltern saß ich im Zimmer und plötzlich überkam mich Selbshass, ich gab mir die Schuld an allem. Aus Wut heraus, schlug ich meinen Kopf gegen die Wand, immer und immer wieder, bis es zu bluten began. Danach weiß ich nichts mehr... Ich denke mein Kopf hat einfach alles ausgeblendet. Wäre in dieser Zeit nicht ein Freund für mich da gewesen, ich hätte nicht gewusst was ich tun soll. Ja, so ging es dann weiter... Jedesmal, wenn irgendwie Streit in der Luft lag, oder meine Mutter mich gemaßregelt hatte, strafte ich mich selbst mit Schmerzen. Am Anfang langte es, wenn ich meinen Kopf irgendwo dagegen schlug oder mir die Arme aufkrazte, aber bald langte auch das nicht mehr und so mit 13/14 Jahren rizte ich mich das erste mal. Es war nur oberflächlich, aber es blutete.

In der Zwischenzeit kam dann mein kleiner Bruder auf die Welt, der mir wieder etwas Geborgenheit schenkte. Ihn konnte ich in den Arm nehmen ohne das er wissen wollte was los ist. Er gibt mir auch heute noch viel Kraft. Der Nachteil war nur, das meine Eltern sich jetzt auch noch um ihn kümmern mussten und ich weiter außen vor blieb. Tja, ich zog mich also immer weiter zurück und verkroch mich in mein Zimmer, wenn ich nicht gerade zu irgendwelchen Arbeiten herangezogen wurde. So kam es dann auch das ich mich irgendwann fast jeden Abend verlezte, weil dann immer die Einsamkeit kam. Ich fühlte mich so verlassen und leer. Ich hatte das Gefühl, mit niemanden über das alles reden zu können, weil ich nicht wollte, das man sich um mich auch noch Sorgen macht. Meine Arme waren übersät von Narben und Schnittwunden, die immer tiefer wurden und auch immer näher an der Pulsschlagader saßen. Ich glaub ich war 15, als meine Mutter es das erstemal mitbekam. Sie wollte das ich ihr meine Arme zeige und dann schrie sie mich an, ob ich den Verstand verloren hätte und das sie mich in die Psychatrie schicken würde. Ich musste ihr damals versprechen, das ich es nie wieder tun werde und musste ihr auch mehrmals die  Woche unaufgefordert meine Arme zeigen, damit sie nachkontrollieren konnte ob ich wieder angefangen hab. Ein Jahr lang hielt ich durch, aber dann war der Drang mir was anzutun wieder da und ich fing wieder an, nur diesmal an den Oberschenkeln und am Bauch.

Mit 17 dann lerne ich meinen ersten Freund kennen. Die ersten Monate war recht schön, aber irgendwann merkte ich, das er mich nicht verstand, ich musste ihm immer und immer wieder erklären was mit mir los ist und warum ich das alles mache. Ich glaube irgendwann war er damit überfordert. Er wollte dann auch mit mir schlafen, aber ich konnte es nicht. Ich habe immer gute Mine zu bösen Spiel gemacht. Ich wollte nicht das er mich anfässt, aber ich konnte nicht Nein sagen. Wie ich es gehasst habe, wenn er mir zwischen die Beine ging und mir an die Brüste fasste. Jedesmal fühlte ich mich danach so schmutzig und ekelhaft, das ich wieder das ritzen anfing.

Ich erinner mich noch an einen Abend, an dem mein Ex unbedingt mit mir schlafen wollte, und dann mit seinen Händen zwischen meine Beine ging und mich so brutal anfasste, das ich zu bluten anfing. Dieses Erlebnis hängt mir heute immer noch nach und ich fühle die Schmerzen, wie als wäre es gerade wieder passiert. Ich hatte das Gefühl, das er einfach nur seinen Spaß mit wollte und ich ihm total egal dabei bin.

Es war nicht das erste mal das es so ablief. Ich kann nicht sagen wie oft es vorkam, aber es war oft genug. Wegen dieser Geschehnisse versaute ich auch damals meine Abschlussprüfung.

Als ich mit der Schule fertig war, fand ich keine Ausbildung und fing eine FSJ an. In einem Seminar fuhren wir auf eine Hütte und dort lernte ich einen Jungen kennen, der mich von anfang an anzog. Am zweiten Tag kamen wir uns näher, gut, es war auch Alkohl im Spiel, aber ich seh das nicht als Ausrede. Naja, jedenfalls endete es damit, das ich ihn küsste und es wäre auch sicher mehr passiert, wenn wir einen ruhigen Ort gefunden hätte. Er war der erste, der mich als Mädchen und nicht als Lustobjekt behandelte. Er war zärtlich zu mir und ließ mich bestimmen, was ich will und was nicht. Das war mir vorher noch nie passiert.

Nachdem ich von der Hütte zurück kam machte ich Schluss mit meinen damaligen Freund. Ich erzählte ihm, das ich einen anderen geküsst habe und er ging natürlich an die Decke und beschimpfte mich als Schlampe und der gleichen. Er kam immer wieder an und wollte das regeln, ich glaube er hat es nicht kapiert, das Schluss ist. Es war so um Weihnachten rum, als er wieder ankam und mich zurück wollte, er sagte ich wäre die Liebe seines Lebens und er wolle mich heiraten und lauter so was. Als ich ihm dann nochmal erklärte, das Schluss ist fing er an, mich zu bedrohen. In dieser Zeit hab ich mehr als einmal versucht mich umzubringen. Er drohte damit mir und meiner Familie was anzutun und zu guter letzt, wollte er sich auch umbringen. Ich erinner mich noch an eine SMS von ihm, in der er schrieb, das er jetzt auf die Autobahn fährt und dann gegen einen Baum oder sonst was rasen will. Ich war damals ziemlich fertig mit meinen Nerven und wollte nur noch sterben, bis dann mein heutiger Freund in mein Leben kam. Er war von anfang an für mich da und hörte mir zu. Er war der Erste, der mich zu verstehen versuchte, er wusste wie man sich fühlt, wenn alle einen verlassen habe und er wusste auch wie es ist einfach nur sterben zu wollen. In ihm fand ich zum ersten mal einen Seelenverwandten. Seine Nähe gab mir Kraft und so versuchte ich jede freie Minute mit ihm zu teilen und so kam es dann auch das ich vier Tage nach Silvester von zu hause rausflog. Meine Mutter hat mich an diesem Abend angeschrien und gesagt, das entweder ich gehe oder sie. Ich wollte es meinen Geschwistern nicht antun, das ihre Mutter geht und so packte ich meine Sachen und rief bei meinem Freund an, ob ich zu ihm kommen kann. Eine Freundin holte mich ab und fuhr mich schließlich zu ihm. An diesem Abend war ich zum ersten mal nur einen Millimeter vom Tod entfernt. Ich hatte mir unter der Dusche die ganzen Arme bis hin zur Schulter aufgeschnitten, so wie die Oberschenkel, den Bauch, den Hals und das Gesicht. Es waren tiefe Schnitte, die bestimmt zum Tode geführt hätten, wenn ich nicht Druckverbände drüber gemacht hätte. Das waren die schlimmsten Momente in meinem Leben. Ich weiß nicht ob ich was drauß gelernt habe, aber ich weiß, das sie mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Auch die Vergewaltigungen haben mich geprägt, wie auch die Streitereien zwischen meinen Eltern.

Ich habe das alles immer noch nicht überwunden, aber ich arbeite dran, auch wenn ich weiß, das ich das alles nie ganz vergessen werde. Tja, das ist meine Geschichte bis hier hin...... 

4.9.08 15:53
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Underachiever / Website (4.9.08 16:04)
Ich drücke dir die Daumen, dass du deinen Weg findest! Ich habe es eingermaßen geschafft, mit meiner "Schuld" umzugehen, nicht mehr zu ritzen - es ist schwer, aber man kann es schaffen. Du wirst es schaffen!


(5.9.08 11:36)
Danke so was zu hören ist immer sehr aufbauend..... danke, wirklich!


snow.white.queen / Website (18.1.09 08:02)
hey..
ich kann zwar im gegensatz zum SVV das mit den vergewaltigungen und dass du daheim rausgeschmissen worden bist nich nachvollziehen, da es mir (zum glück) noch nie passiert is, aber ich kann dich, soweit es mir möglich ist, verstehen.
und auch wie der in dem ersten kommentar zu diesem eintrag glaube ich, dass du mit dem SVV vll eines tages sogar für immer aufhören kannst (obwohl ich glaube, dass man selbst dann noch das verlangen danach hat..doch wenn man stark ist, muss man dem nicht unbedingt nachgeben, was natürlich oftmals schwer ist..)
Aber du wirst es bestimmt schaffen..insbesondere mit deinem Freund (das ist er doch immernoch, oder?)

LG, snow.white.queen


(18.1.09 14:35)
Das mit den Vergewaltigungen ist eine lange Geschicht. Wenn man immer denkt es ist richtig ung auch von daheim keine Hilfe erwarten kann, dann lässt man es immer wieder über sich ergehen auch wenn man es gar nicht will.
Sicher, ddas SVV hab ich so gut wie unter Kontrolle, aber es passiert mir immer noch, dass das Verlangen einfach zu stark wird und ich wieder Anfang mich zu kratzen oder zu beißen.
Es ist nicht einfach, aber ich bekomme das hin. Ich hab seit einigen Monaten einen guten Therapeuten gefunden, der mir helfen will und auch hoffentlich kann.
Das mit meinem Ex ist schon lange vorbei und ich bin froh, das ich meinen jetzigen Freund habe, er gibt mir die Kraft weiter zu machen und es irgendwann in den Griff zu bekommen.

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