Tired
Im Zug...

Ich sitze im Zug, die Beleuchtung über mir flackert kaum wahnehmbar. Ich starre aus dem Fenster... und finde mich in meinem alten Zimmer wieder. Von unten höre ich meine Eltern wie sie streiten und sich anschreien. Ich bin allein.... zum Glück. Ich hasse es, wenn sie sich streiten. Verzweifelt suche ich in der Schublade nach meinen Klingen. Gefunden... Erleichterung setzt ein. Ich krempel dich Ärmel hoch und setzte die Klinge an meinen Unterarm. Langsam zieh ich sie über die Haut... Es fängt erst nach ein paar Sekunden an zu bluten. Ich merke wie mir heiße Tränen über das Gesicht laufen und ich spüre den Zwang die Klinge immer und immer wieder anzusetzen. Keine Ahnung wie lang ich da sitze und mir immer wieder den Arm aufschneide, ich hab jegliches Zeitgefühl verloren. Ich verzweifle an mir selber, es sollte doch weh tun! Aber ich spüre nichts... egal wie tief ich schneide, da ist kein Gefühl, außer Leere. Als wäre mein Innerstes ein schwarzes dunkles Loch, in das sich das bischen was ich noch bin zurückgezogen hat, versteckt vor dem Lärm, der dort unten tobt. Ich weiß, das jetzt keiner mehr in mein Zimmer kommt, es ist dunkel. Ich liebe die Dunkelheit, sie gibt mir das Gefühl sicher zu sein. Ich starre immer noch aus dem Fenster. Meine Erinnerungen ziehen wie Bäume und Häuser am Fenster vorbei und ich erlebe jeden schrecklichen Augenblick wieder und wieder. Ich habe nicht mal gemerkt, das ich wirklich weine... die Leute im Zug starren mich an. Bin ich schon an meiner Haltestelle vorbei? Ich weiß es nicht. Es ist auch irgendwie egal geworden.... Ich weiß nicht mehr wo ich bin. Ist das die Realität? Oder ist es wieder nur ein Traum, den ich mir zurecht gesponnen haben.... So wie damals als ich noch jünger war. Ein Traum, in dem ich glücklich bin oder zumindest meine, das ich glücklich bin. Ich weiß nicht mehr was ich glauben soll, oder kann. Realität und Verganganheit vermischen sich und werden zu einer undurchdringlichen grauen Masse, die sich zerstörerisch ihren Weg durch meinen Kopf bahnt und dabei alles was im Weg ist überrollt. Was ist Realität? Bin ich real? Ich weiß es nicht. Ich habe jeglichen Bezug verloren und alte Schuldgefühle kommen wieder hoch. Ich weiß das sich meine Eltern wegen mir streiten, das ich Schuld bin. Ich bin an allem Schuld... Ich höre die Stimmen in meinem Kopf, wie sie mir zuflüstern, das ich kein Recht habe zu Leben, das "Soetwas" wie ich es nicht Wert ist weiter zu leben. Langsam schnürrt es mir die Kehle zu. Ich bekommen kaum noch Luft, jeder Atmenzug tut weh. Das Gefühl zu Ersticken wird immer stärker, meine Lungen brennen. Was ist nur wieder passiert? Ich habe doch versucht das alles irgendwie zu verdrängen! Warum muss das alles wieder hochkommen? Warum muss ich das alles wieder und wieder durchleben? Ändern kann ich so oder so nichts mehr... Alles ist bereits passiert.... Oder? Ich weiß es nicht... Ich sehe nur immer und immer wieder diese Bilder vor mir, wie ich in meinem Zimmer sitze und mir die Arme aufschneide. Solange bis sie vom Blut ganz überströmt sind.  Ich weiß das es nichts bringt, aber es ist der einzigste Weg, um zu wissen, ob ich noch am Leben bin, denn alles in mir drin ist erfroren. Ich will nur noch nach hause. Wo bin ich zuhause? Ich habe mich verloren... Ich will weglaufen, irgendwo hin und mich in einer dunklen Ecke verkrichen. Ich habe Anst, Angst vor mir, vor dem Allein sein, vor meinen Gefühlen... vor allem.... Ich möchte das Eis in meinen Inneren auftauen, ganz langsam, auch wenn ich weiß, das es bei der ersten Berührung zerspringt und kaputt geht, so wie alles was ich anfasse. Ich bin es wirklich nicht Wert zu leben. Ich bin ein hoffnungsloser Fall. Mein Bahnhof kommt. Ich sollte jetzt aussteigen. Blind laufe ich durch die Straßen, bin ich hier richtig? Ich schaue das Haus an... Es kommt mir bekannt vor. Im oberen Stockwerck brennt Licht. Bin ich endlich daheim? Endlich sicher?

3.12.08 21:16
 


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